Der Ukraine-Krieg muss sofort enden – für Mensch und Natur

Von NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller

Der NABU als Deutschlands größter Umweltverband setzt sich für Frieden ein. Mit Projekten in Russland und der Ukraine kommen Herausforderungen auf uns zu. Zudem müssen Deutschland und die EU krisenfest werden – Klima- und Naturschutz sind dabei entscheidend.

Mehr als 100.000 Menschen demonstrierten am 27. Februar 2022 in Berlin gegen den Ukraine-Krieg. Foto: NABU/Thea Ehlich

Als Deutschlands größter Umweltverband mit 875.000 Mitgliedern und Fördernden treten wir für den Frieden ein – kraftvoll, stark und mutig. Deshalb haben wir, gemeinsam mit zahlreichen Verbänden und Gewerkschaften, am 27. Februar zu einer zentralen Kundgebung in Berlin aufgerufen. Das von hier ausgehende Signal war überwältigend: Hunderttausende forderten ein Ende des Krieges, darunter zahlreiche NABU-Mitglieder. Wir danken allen, die auf dieser oder anderen Kundgebungen Flagge für den Frieden gezeigt haben.

Uns allen geht der Krieg in der Ukraine sehr nahe. Bis letzte Woche schien es unvorstellbar: ein Krieg, mitten in Europa. Doch die Zeiten haben sich geändert. Das Leid der Menschen macht uns betroffen und fassungslos. Als NABU haben wir Kolleg*innen in der Ukraine, viele von uns Familie, Freund*innen, Bekannte aus der Ukraine oder gar im Kriegsgebiet. Uns ist es wichtig, jetzt ein entschlossenes Zeichen für Frieden zu setzen!

Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer

(im Namen von NABU-Präsidium und -Geschäftsleitung)

Was passiert mit den NABU-Projekten in der Ukraine und Russland?

Wir sind in Gedanken und im ständigen Austausch mit unseren ukrainischen Kooperationspartnern und Mitarbeitenden. Wir telefonieren mit ihnen, halten Kontakt. Und wir bieten ihnen jedwede Hilfe an, die wir in diesen dunklen Tagen geben können. Gleiches gilt für unsere russischen Kooperationspartner und Mitarbeitenden – allein in Russland setzen wir derzeit mehr als 20 Projekte um. Ein Abbruch oder eine Beendigung dieser langjährigen Projekte und freundschaftlichen Partnerschaften wäre ein falsches Signal gegenüber unseren Mitarbeitenden und Mitstreitenden, sowohl in Deutschland, in Russland als auch in der Ukraine. Der NABU ist seit seiner Gründung international tätig, wir sind krisenerprobt. Wir wollen versuchen, unsere Naturschutzprojekte soweit wie möglich aufrecht zu erhalten. Und wir sind überzeugt: Auch dieser Krieg kann dauerhaft nur durch Austausch und Dialog beigelegt werden.

Im NABU haben wir Mitarbeitende in der Ukraine, Freund*innen und Familien. In diesen dunklen Tagen ist es wichtig zu helfen! Wir wollen unsere ukrainischen Partnerorganisationen vor Ort unterstützen.

Wir machen uns stark für alle, die diesen Krieg verurteilen

In diesen Tagen sind wir gefragt, ruhig und menschlich zu bleiben. Wir dürfen Pauschalisierungen und Sippenhaft keinen Raum bieten. Dieser Krieg geht von einem Autokraten aus, aber nicht im Namen einer ganzen Nation. Auch in Russland gibt es mutigen Widerstand gegen den Angriff auf die Ukraine. Wir machen uns stark für alle Menschen, die gegen diesen Krieg sind – egal welche Nationalität, egal welchen Pass sie haben. Wir haben großartige russische und ukrainische NABU-Mitarbeitende sowie aus vielen weiteren Nationen. Uns alle eint die Liebe zur Natur und der Wunsch nach Frieden.

 

Was bedeutet die Situation innenpolitisch?

Auf den Natur- und Klimaschutz kommen jetzt gleichermaßen Herausforderungen wie Zumutungen zu. Dieser Krieg ist eine Zäsur, eine Zeitenwende. Er hat direkte, indirekte und langfristige Auswirkungen auf die Natur, uns Menschen und unsere Sicherheit – denken wir nur an die Hunderttausenden Flüchtenden, an Munitionsaltlasten und brennende Öldepots.

Dieser Krieg führt uns unmissverständlich vor Augen: Wir müssen Deutschland und die EU schnell krisenfest und zukunftssicher machen. Wir werden Diskussionen zur Versorgungssicherheit führen müssen, zur Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten. Der damit verbundene Umbau der Wirtschaft wird ein enormer Kraftakt – der Klima- und Naturschutz darf dabei nicht unter die Räder kommen! Dafür werden wir kämpfen. Als NABU setzen wir uns dafür ein, dass dieser Umbau schnell, aber nicht kopflos passiert. Denn Klima- und Naturschutz sind wirksame Krisenprävention. Eine dezentrale Energieversorgung mit 100% Erneuerbaren bedeutet Freiheit und Unabhängigkeit. Das werden wir allen begreifbar machen! Natur- und Klimaschutz sind entscheidend für den Frieden, die Freiheit und den Dialog weltweit!

 

Interne-Site: NABU-Position zum Ukraine-Krieg

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